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Pro Kampen 01|19

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N o 73 | Kultur &

N o 73 | Kultur & Entertainment 32 TEXT: IMKE WEIN | FOTOS: DENNIS DIRKSEN Auf dem Sofa bei Herrn Strunk UND EIN KLEINER VORGESCHMACK AUF KAMPENS LITERATURSOMMER 2019 PROLOG: Mein Job ist besonders geeignet für getarnte Soziophobiker. Als Autorin akkurater Texte ohne künstlerischen Anspruch treffe ich unentwegt Menschen, die es in dem, was sie tun, zu einer Meisterschaft gebracht haben. Man taucht für sehr kurze Dauer sehr tief ein in deren Lebenswelt. Mit einem ehrlichen Maß an Verbindlichkeit, im Auftrag der Leserschaft. Man klaut die Perlen und ist auch schnell wieder weg. Dabei gibt man dem Gegenüber das aufrichtige Gefühl, gehört, gesehen und wertgeschätzt zu werden. Das sorgt für gute soziale Momente und allerbestes Karma. So wird ein eigenes privates Leben mit Mannschaftssport, Kaffeeklatsch und Partys herrlich überflüssig, denn die Arbeitswelt ist faszinierend-absorbierend genug. Manchmal, ganz machmal, durchbricht man diese Routine und traut sich Menschen zu interviewen, die man verehrt. Da verlässt man die neutrale Schweiz und hat ein persönliches Anliegen, wird unsouverän und begibt sich auf dünnes Eis. HAUPTTEIL: Und schon sind wir mittendrin. Bei Herrn Heinz Strunk in seiner Hamburger Dichterkemenate, ganz oben, mit Dachterrassenblick auf den Hafen. Der Autor des »Goldenen Handschuh« (nur für die leichte Zuordnung, denn er hat viele andere geniale Dinge in seinem Bauchladen) wird am 13. Juni den Kampener Literatursommer eröffnen und damit schon zum zweiten Mal an einer Stelle lesen, die so gar nicht das Biotop dieses Milieu-Sezierers zu sein scheint. Ach, stimmt gar nicht, im »Goldenen Handschuh« wird auch eine Hamburger Reeder-Familie zerfleddert. Wie auch immer: Seine Lesung in Kampen ist weltbester Vorwand, Herrn Strunk aufzusuchen und herauszufinden, wie jemand tickt, der seine Leser auf unnachahmliche Weise mit haufenweise menschlichem Elend, mit Hässlichkeit und Düsternis in der Patsche sitzen lässt. Meine Aufregung über unseren Termin teilt der Herr Strunk schon mal nicht, denn er vermutet den Paketboten, als ich zur vereinbarten Stunde auf den Klingelknopf drücke, auf der auch sein bürgerlicher Name »Halfpape« notiert ist. (»Sehr charmant sich Heinz Strunk zu nennen, wenn man eigentlich Mathias Halfpape heißt«, denke ich mit dieser überdrehten Haltung erst einmal alles gut finden zu wollen.) Auf dem Weg in den fünften Stock ist der Fluchtinstinkt ziemlich dominant. Kann ich nicht einfach abhauen? Wohl nicht. Dann also ein wenig denken beim Treppensteigen zur Ablenkung. Was ist das Besondere an den Strunk-Werken?

GANZ KLAR: Sie erzeugen intensive Nebenwirkungen. Das kenn ich sonst nur von Michel Houellebecq. Auch der macht mich manchmal so wütend, dass ich das Buch in die Ecke pfeffern könnte, was ich dann doch nicht tue. Aber schön eigentlich, wenn sich überhaupt noch so viel regt in der Seele beim Lesen. Beide Autoren bewegen sich gerne entlang des Tabubruchs, aber immer schmerzlich nah dran an der Wahrheit, an der Düsternis, heikler Sexualität und den Abgründen der menschlichen Natur. Das stößt ab und zieht noch mehr an. Und so wie mir geht es offenbar vielen Zeitgenossen – über Generations- und Sozialgrenzen hinweg. Erstaunlich. Herr Strunk, eh schon illustrer Musiker, Bühnenmann, Autor, Satiriker, Schauspieler erlebt gerade einen Hype. In der schicken, veganen Bart-Träger-Szene der Großstädte (jeder bekommt das Publikum, was er verdient), aber auch in der Provinz. DARÜBER SOLLTEN WIR SPRECHEN, beschließe ich, als er mir endlich (ächz!!!) gegenübersteht. Weit schicker als aus der Ferne, auf der Bühne oder im Film, ist der Herr Strunk in natura, konstatiere ich. Das gibt’s ja nicht so oft. Begrüßung, Höflichkeitsrituale, dann möglichst unauffälliges Umschauen in seiner Wohnung, die genauso stilvoll eingerichtet ist, wie man es erwarten darf, und deshalb nicht der Rede wert ist. Ebenso erwartungsgemäß: die Haltung des gehypten Autors der Gebrauchstexterin gegenüber. Es ist etwas lästig, ihr Zeit zu schenken. Ich versteh das. Anders als 90 Prozent meiner regulären Gesprächspartner braucht Herr Strunk mein Interesse und meine Aufmerksamkeit nicht. Er hat das im Überfluss. Macht nichts. Da muss man jetzt durch. So wird es sich vermutlich anfühlen, wenn man Vertreterin ist – für Thermomix zum Beispiel. WIR PLAUDERN. HARMLOS. Über seine aktuellen Baustellen (es sind viele), über das Geschenk als Kreativer multifunktional zu sein, unabhängig und sich seine Projekte aussuchen zu können, über den Umstand, dass nicht irgendein Regisseur den »Goldenen Handschuh« verfilmt hat, sondern Fatih Akin, und das Ergebnis entsprechend respektabel ist. Wir sprechen über die soziale Mühsal eines Berlinale-Besuchs, seinen Lieblingsautor, den südafrikanischen Schriftsteller und Nobelpreisträger von 2003 John Maxwell Coetzee, über sein Rote-Faden-Projekt »Studio Braun«, die tolle Zusammenarbeit mit Schauspieler Charly Hübner, über die Haltung zum Format seiner »Lesung mit Flötenspiel«. Er berichtet, dass das durchaus nach dem fünften Termin in Folge zur Anstrengung werden kann, und wir sprechen über Sylt, das Strunk eine Zeit lang immer mit Freunden zur Biike bereiste. Und dann irgendwann zwischen all dem Naheliegenden wird es noch unerwartet aufschlussreich. Ich zitiere meinen Chansonnier-Freund Thomas Pigor (kommt immer gut, Intellektuelle mit hoher Reputation zu zitieren) mit den Worten: »Damit ich schreiben kann, muss ich doch erst was erleben.« Strunk widerspricht da vehement: »Als Dichter und Denker bediene ich mich vor allem meiner Fantasie und Vorstellungskraft. Ich muss das nicht erleben, was ich schreibe«, sagt er. Und ich halte dagegen, dass man Typen wie die Krankenschwester Jenny Müller oder Brummifahrer Erich aus seinem aktuellen Kurzgeschichten-Buch »Teemännchen« (ein »herausragendes Buch« sagt Strunk mit Augenzwinkern über Strunk) unbedingt zumindest als Archetyp erlebt haben muss, sonst würden sie nicht so gut. Und irgendwie liebt man diese Typen doch auch in ihrer ganzen Verkommen- und Begrenztheit, denke ich, sag es aber nicht. Also, ich muss Menschen jedenfalls gern haben, um überhaupt klarzukommen. Er etwa nicht? Wir teilen die Erfahrung, dass man viel zu lange im Leben braucht, bis man lernt, dass man nicht unbedingt an den Elbstrand strömen muss, weil das Wetter schön ist und da alle hinrennen. Dass man Urlaubsreisen nicht unbedingt antreten muss, nur weil das gesamte Umfeld Ferien priorisiert, dass für die ganze Schreiberei Disziplin und Alleinsein in Unmengen nötig sind und dass man vorsichtig umgehen muss mit der eigenen, ziemlich intensiven Wahrnehmung. Das N o 73 | Kultur & Entertainment 33 Hey, Trainer – Heinz Strunk mag die Selbstinszenierung – ganz zur Freude seiner Fans

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